Cora Sachs | 34, Regisseurin, Kostüm- und Figurenbildnerin; Hamburg

Kunst berührt?

Was für eine Frage! Ein kulturelles Erlebnis, das mich berührt, bewegt, erschüttert hat …

In meinem Leben gab es immer wieder Momente, an denen es mich durchzuckt hat beim „Erleben“ von Kunst. Schon als kleines Kind. Es sind diese Momente, die sich eingraben und die ich wieder hervorholen kann, als Trostspender, Motivator oder einfach nur zum Freuen. Aber ein bestimmtes auswählen? Das fällt mir wahrlich schwer. Vielleicht bin ich in der Kunst gelandet, weil ich diese Momente so liebe und sammele wie Kleinode?

In meiner eigenen Profession Theater schaffe ich es leider immer weniger, mich einfach beim Zugucken treiben zu lassen. Da ploppen dann immer wieder in meinem Kopf technische Fragen auf: Oh, wie haben die das jetzt gemacht? Aus welchem Material ist der Puppenkopf? Aha, super Bühnentechnik etc. und stören das Genießen und Aufnehmen.

Ich probiere es jetzt einfach mal mit ein paar besonders eindrücklichen Momenten:

Musik: Der Moment, wenn ein Orchester mit dem Stimmen anfängt, macht mir jedes Mal eine Gänsehaut. Beim ersten Mal war ich in der Grundschule und meine Eltern haben mich zum Schleswig-Holstein-Musikfestival mitgenommen. Wo und was gespielt wurde, weiß ich nicht mehr. Aber das Orchester, dieses dynamisch lebendige riesige Etwas, hat mich zwei Stunden lang gebannt und sprachlos gefesselt.

Tanz: Ich saß im Tanzgeschichte-Seminar während meines Regiestudiums und uns wurde „Café Müller“ von Pina Bausch vorgestellt. So pur, so schön, so einzigartig!

Malerei: Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 2007 von Helene Schjerfbeck hat mich so fasziniert, dass ich mehrmals dort war. Besonders ihr Spätwerk mit den Selbstportraits kurz vor ihrem Tod hat mich gefesselt.

Performance: Der Film „The Artist Is Present“ von Marina Abramovic. Ich saß Weihnachten 2012 am Vormittag alleine im Abaton Kino in Hamburg und mir liefen die Tränen über die Wangen. Das allein der Blick so intensiv und persönlich über eine Kinoleinwand erfahrbar war, hat mich tief berührt und lange nicht losgelassen.