Christoph Bochdansky | 60, Figurenspieler; Wien

Ich möchte hier von einem Moment erzählen, der mir nicht unter dem goldenen Tor eines großartigen Eindrucks begegnet ist, sondern an einer schäbigen Hintertüre und mich erst lange nach dem Verlassen des Theaters beeindruckt hat.

Ein schäbiges, abgespieltes, vergessenes Kellertheater in Wien, die Aufführung sollte um 20:00 beginnen, mit Verspätung kam der angekündigte Künstler mit dem Taxi im Theater an und bat uns mit in den Saal zu kommen, das Publikum bestand aus 7 Personen. Er erzählte Begebenheiten aus seinem Leben und Beobachtungen über dies und das, es war mitunter recht amüsant, aber viel zu lang. Die ganze Aufführung spielte er auf einem Sessel sitzend, der links hinten auf der Bühne stand, Bühne und Zuschauerraum waren gleichmäßig mit schummrigen Neonleuchten beleuchtet. Während der Aufführung verließen 4 Personen das Theater. Am Ende stand er von seinem Sessel auf, kündigte an er würde jetzt so tun, als würde er kurz die Bühne verlassen und gleich wieder kommen, was aber nicht geschehen würde, wir sollten daher nicht klatschen, wenn er jetzt geht. Mit leicht erhobener Faust ging er dann und sagte: „Es lebe die Avantgarde.“

Diese rätselhaften Worte, am Ende einer solchen Aufführung, haben mich bis heute sehr beeindruckt.