Christian Bollow | 56, PR-Referent FITZ, Stuttgart

Stammeln und Dank.

Anders wieder fortgehen. Auf der Spur meiner noch nicht gestellten Frage, deren Antwort die Kunst mich hat erleben lassen. Immer die Ahnung eines mir unerreichbaren und doch eigenen Gedankensystems. Verwandtschaft muss sein, Übereinstimmung, Vorsprung. Oft die Fassungslosigkeit vor dem Mut, das auszudrücken. Wie Rilke über Rodin gesagt hat: Sich so weit hinaus zu wagen! Wie kommt man da wieder zurück?

Nach Jahrzehnten prägnant in Erinnerung: Frank Soehnles »Nachtgesichter«, das Panoptikum einer hypnotisch geschlossenen Welt. Kein Wort, stattdessen Rhythmus, Dunkel, Halbdunkel, Spot. Dämonen, bedrohlich, amoralisch und doch nicht – böse. Ein Albtraum am Rande des Aufwachens. So weit hinein…

Oder Antje Töpfers Vorstudie zu »…des Glückes Unterpfand« – das war wie ein Erdstoß: Welche Hintergründe tun sich plötzlich auf in dieser menschlich gefüllten formalen Strenge?!

Es sind so viele: Christoph Bochdanskys geistvoll-ernste, skurrile Frotteewelten, Charlotte Wildes unfassliche musikalische Räume, die eigenwillige Syntax der Inszenierungen des O-Teams, deren Text-Bild-Konstellationen gleichzeitig so spröde und einladend sind, Tristan Vogts hingegebenes, meisterhaftes Objektspiel für Vierjährige »Was Sachen so machen«…

Anders wieder fortgehen, ist Glück.

Wenn all diese Kunsterlebnisse etwas gemeinsam haben, dann ist es das Stammeln im Augenblick danach, die Echos und Resonanzen in den folgenden Tagen (und Nächten), und schließlich – der Dank.