Barbara Wilde | 47, Psychologin; Eutin

Als ich nach Dresden zog sagte mir eine Freundin: Am Totensonntag zieht man in Dresden seinen schwarzen Mantel an und geht in die Kreuzkirche zum Brahmsrequiem.
Das Brahmsrequiem. Mit der wunderbaren Arie, die auch unsere Mutter so liebte:

Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.
Ich hab das einige Jahre so gehalten. Und in meinem letzten Jahr in Dresden hatte ich es auch geschafft, mich so rechtzeitig zu kümmern, dass ich eine Karte unten im Mittelschiff hatte. Und als ich da saß, in dieser schönen schlichten Kirche und inmitten dieser großen Klänge, da war es plötzlich so, als hätte ich es schon geschafft, als hätte ich wirklich das Ziel schon erreicht!